Hochsensibilität bei Kindern

Hochsensible Kinder erleben die Welt differenzierter und zugleich intensiver als andere Kinder. Sie müssen mehr Reize und Informationen geistig und seelisch verarbeiten. Deshalb brauchen hochsensible Kinder häufig auch mehr Zeit und die Möglichkeit zum Rückzug.

Das Thema Hochsensibilität verbreitet sich immer mehr und damit wächst auch die Chance für betroffene Kinder, wahr- und ernstgenommen zu werden.

Ist mein Kind hochsensibel?

Hochsensible Kinder fallen meist schon als Babies durch Ihr Verhalten auf:

  • sie brauchen viel Körperkontakt; wollen getragen werden; können lange nicht alleine schlafen und man kann sie nicht einfach „weglegen“
  • sie schreien ausdauernd und viel
  • sie wirken unzufrieden oder bedrückt, aber gleichzeitig lachen sie viel
  • sie reagieren vielschichtig, da sie recht früh die unterschiedlichen Gefühlslagen der Erwachsenen unterscheiden können
  • sie scheinen ihre Umgebung dauernd zu beobachten
  • sie fühlen sich in ihrer vertrauten Umgebung sicher und wohl
  • sie haben langanhaltende Fremdelphasen und diese beginnen relativ früh

 

Merkmale von Hochsensibilität bei Kindern sind:

  • sie reagieren übertriebenem Protest auf z.B. Nägelschneiden, Baden, Haarekämmen, da diese Dinge oftmals mit Schmerzen verbunden  oder einfach unangenhem sind
  • sie sind sehr wählerisch, was das Essen anbelangt und wenig experimentierfreudig
  • sie bewegen sich vorsichtig
  • sie sprechen früh von »Ich« und »Du«
  • sie fühlen sich in Gruppen unwohl und haben meist eine oder zwei innige Freundschaften
  • sie brauchen viel Zeit um sich an neue Dinge, wie Menschen, Sitationen etc. zu gewöhnen
  • sie scheuen körperliche Auseinandersetzungen und raufen und kämpfen nicht gerne
  • sie haben Angst vor Höhe oder Geschwindigkeit, bzw. vor Kontrollverlust
  • sie sind extrem frustriert, wenn Dinge nicht sofort klappen, schon früh versuchen sie alles alleine zu machen
  • sie sind Perfektionisten
  • sie interessieren sich für gesellschaftliche, philosophische oder spirituelle Fragestellungen
  • sie sind sehr harmoniebedürftig, haben einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn
  • sie haben eine ausgeprägte Sammelleidenschaft; können nichts wegwerfen
  • sie mögen keine Überraschungen und planen Tage oder Wochen im Voraus
  • sie haben extreme Gefühlsausbrüche und Trotzphasen, vermeintliche Kleinigkeiten fühlen sich an wie große Katastrophen
  • sie träumen intensiv und reagieren körperlich im Schlaf (schwitzen, herumwälzen)
  • sie lassen sich leicht ablenken (z.B. beim Anziehen, Essen, Hausaufgaben)
  • wenn sie  etwas finden, dass sie interessiert, tauchen sie ein in die Materie
  • ihr Langzeitgedächtnis ist sehr ausgepräg, sie erinnern sich detailliert an Dinge aus der Vergangenheit
  • sie haben ein reges Mitteilungsbedürfnis
  • sie haben eine blühende Phantasie und sind äußerst sprachgewandt
  • sie können laute Geräusche sowie helles Licht nicht gut vertragen
  • sie klagen schon als Kind über regelmäßige Kopf- oder Ohrenschmerzen
  • sie haben unruhige, kribbelige Beine und Hände, müssen immer alles anfassen
  • sie fühlen sich unwohl in einer reizüberfluteten Umgebunge (z.B. beim Einkaufen, auf Festen)

 

Wie lässt sich Hochsensibilität erklären?

Hochsensible Kinder verfügen über ein empfindlicheres Nervensystem als Kinder, die nicht hochsensibel sind. „Normale“ Menschen verfügen über ein Filtersystem, welches vor Reizüberflutung schützt. Bei Hochsensiblen ist dieses System weniger gut ausgeprägt und sämtliche Informationen gelangen ungefiltert ins Bewusstsein.  Gleichzeitig sind hochsensible Kinder in emotionaler und sensorischer Hinsicht stärker erregbar, wodurch sie ein reichhaltigeres, tiefergehendes und bisweilen extremeres Gefühlserleben haben.